“Irgendwann machen wir mal eine Konzertreise!”

Nur ein Satz, vor einigen Jahren halb träumerisch, halb scherzhaft dahingesagt. Gedacht haben wir dabei eher an Europa. Im Herbst 2025 wurde er zur Realität und aus Europa wurde Vietnam.
Zwei Wochen Chorreise durch drei vietnamesische Städte, fünf Konzerte und unzählige neue Eindrücke und Begegnungen liegen hinter uns. Kopf und Herz sind immer noch voll. Aus einem Traum wurde Wirklichkeit – und ein voller Erfolg.
Was aus einer Kooperation zwischen unserer Chorleiterin Katrin Hübner und den Musiker:innen Mạnh Hùng Lê und Phương Hoa Trần während der Coronazeit begann, hat den Lichtenberger Kammerchor nicht nur um viele wertvolle neue Chormitglieder aus der vietdeutschen Community bereichert, sondern auch in sein bisher größtes Abenteuer geführt.
Im Rahmen des Projekts BERLIN | HANOI | 2023 haben wir begonnen, uns mit vietnamesischer Musik und vietnamesischer Migrationsgeschichte auseinanderzusetzen. Nach erfolgreichen Konzerten mit diesem besonderen Programm erschien die Idee, das vietnamesische Repertoire auch nach Vietnam und damit zurück zu seinen Wurzeln zu bringen, wie der nächste logische Schritt.
Als klar wurde, dass 2025 auch das 50. Jubiläum der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Vietnam und Deutschland gefeiert wird, bedeutete das für uns: Jetzt oder Nie! Doch wie fängt man an so eine Reise zu planen?
Um in Vietnam auftreten zu können, braucht es Empfehlungsschreiben, offizielle Einladungen und eine staatliche Auftrittserlaubnis. Außerdem die notwendige finanzielle Förderung, um nicht nur die Reisekosten, sondern auch faire Honorare, Raummieten und Werbekosten zu stemmen.
Schnell war die AG Konzertreise gegründet – eine weitere unserer zahlreichen AGs zur gemeinschaftlichen Organisation des Chorbetriebs. Dank des unermüdlichen Einsatzes unserer Chorleiterin und einiger Chormitglieder nahm die Reise Stück für Stück Gestalt an: Es wurden Kooperationspartner für gemeinsame Konzerte in verschiedenen Städten gefunden, Förderanträge gestellt und ein Reiseplan erarbeitet. Große Teile dieser Planungsarbeit leisteten wir, während noch nicht sicher war, ob die notwendige Finanzierung wirklich zusammenkommt. In dieser Phase hieß es optimistisch bleiben! Aber irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem wir realisierten: Das wird wirklich klappen! Was für ein großartiges Gefühl und Ansporn für die letzten Anstrengungen.
Anfang Oktober ging es dann endlich los: mit Klassenfahrtsgefühl und voller Vorfreude saßen wir im Zug nach Frankfurt zum Flughafen. Schon am Gate wurde ein erstes Mal gesungen. 12 Stunden Flug später traten wir in Ho-Chi-Minh-Stadt aus dem Flughafengebäude und realisierten: wir sind wirklich in Vietnam. Zusammen!
Die zwei Wochen in Vietnam waren intensiv, verbindend und voller eindrücklicher Begegnungen: mit den Studierenden und Chorleitern der Musikhochschulen in Saigon und Hue sowie einem Blindenchor aus Hanoi, mit denen wir gemeinsame Stücke auf Deutsch und Vietnamesisch probten, um sie dann zusammen aufzuführen. Mit zum Bersten gefüllten Konzertsälen und Menschen, die überrascht, neugierig oder zu Tränen gerührt waren, dass ein europäischer Chor Vietnamesisch
singt. Mit Freund:innen und Wegbegleiter:innen unserer vietnamesischen Chormitglieder und Musiker:innen, die uns einluden und uns teilhaben ließen – an ihrem Leben und ihrem Tun. Mit Sprachschüler:innen, die Deutsch lernen, um bald eine Ausbildung in Deutschland beginnen zu können und mit uns spielerisch erste Sätze übten. Mit einem Folkloreensemble in Bac Ninh, das uns seine Volkslieder präsentierte und nicht damit rechnete, dass plötzlich zurück gesungen wird! Eine scheinbar so ungewöhnliche Situation, dass ein Video davon auf TikTok viral ging.
Die Menschen, die uns begegnet sind, die vielen Eindrücke und die starke Verbundenheit, die die Reise im Chor geschaffen hat, sind das, was noch lange in uns nachhallen wird und was den Titel unserer Reise – Music Building Bridges – so wahr gemacht hat: Musik baut Brücken. In den Köpfen und in den Herzen.